Philosophie

HundeSozialStrukturen – Unsere Philosophie

Die Integration der Hunde in die Menschenwelt bedingt ein Verständnis für die hündischen Bedürfnisse

Seit rund 15.000 Jahren leben Hunde an der Seite von Menschen. Lange Zeit wurden sie als reine Nutztiere gehalten; das Zusammenleben entsprach einer Zusammenarbeit. Seit einigen Jahrzehnten wird der Großteil der Hunde als Haustier gehalten. Dadurch hat sich die Hundehaltung grundlegend geändert.

Das zentrale Anliegen der Hundebesitzer ist es, ihren besten Freund möglichst artgerecht sowie in unserer Gesellschaft sozialverträglich zu halten. Auf immer engerem Raum leben immer mehr Hunde. Mensch-Hund-Begegnungen sowie Begegnungen unter Artgenossen sollen dabei möglichst konfliktfrei ablaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig sich mit den Bedürfnissen und Kommunikationswegen der Tiere zu beschäftigen.

Der Trend zur Mehrhundehaltung macht es für viele Hundebesitzer bereits notwendig, sich innerhalb der eigenen vier Wände mit diesen Themen auseinanderzusetzen. In diesen Fällen ist ganz besonders darauf zu achten, wie sich die Zusammensetzung der Hunde auf deren jeweilige persönliche Entfaltung auswirkt.

Auch Hunde sind individuelle Persönlichkeiten

Jeder Hund hat seine ganz eigene Persönlichkeit; darin unterscheidet er sich nicht vom Menschen.

„Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller überdauernden individuellen Besonderheiten im Erleben und Verhalten […]. Damit können viele Persönlichkeitseigenschaften als Dispositionen [Veranlagungen] aufgefasst werden, d.h. Tendenzen, bestimmte Situationen in bestimmter Weise zu erleben und sich dort in bestimmter Weise zu verhalten.“  (sh. Lexikon der Psychologie)

Diese Definition aus der Humanforschung kann auf den Hund übertragen werden. In diesem Zusammenhang lässt sich der Begriff der Persönlichkeit ergänzen durch die Definition aus Dr. Udo Gansloßers Buch „Verhaltensbiologie für Hundehalter“: „Persönlichkeiten sind dadurch charakterisiert, dass Individuen sich in systematischer und konsistenter Weise voneinander unterscheiden, das heißt, Tier A tut in bestimmten Situationen vorhersagbar etwas anderes als Tier B, diese Unterschiede bleiben erhalten, und sie zeigen Zusammenhänge auch über mehrere Testsituationen hinweg.“

Die angeführten Definitionen machen deutlich, dass auf jeden Hund individuell eingegangen werden muss. Eine artgerechte Haltung und bestmögliche Ergebnisse bei der Erziehung sind nur möglich, wenn auf die spezifischen Besonderheiten der jeweiligen Persönlichkeiten eingegangen wird.

Menschliche und hündische Persönlichkeiten können in verschiedene Typen kategorisiert werden

Es ist also notwendig, die Persönlichkeit des Hundes zu entschlüsseln, um das Zusammenleben mit ihm für beide Seiten so erfüllend wie möglich zu gestalten.

Möchte man spezifische Persönlichkeitseigenschaften kategorisieren, gibt es dafür unterschiedliche Herangehensweisen. Dies gilt bei der Betrachtung bei Menschen ebenso wie bei Hunden. Je nach Betrachtungsweise oder auch Detaillierungstiefe kommen Wissenschaftler auf verschieden viele Persönlichkeitstypen.

In der Humanwissenschaft gibt es daher eine Vielzahl an Persönlichkeitsmodellen, die von unterschiedlich vielen Persönlichkeitstypen ausgehen. Beispiele hierfür sind die Persönlichkeitsmodelle DISG mit 4 Typen, MBIT mit 16 Typen oder auch das Humm Modell mit 7 Typen.

Auch beim Hund können solche Persönlichkeitsmodelle erstellt werden und auch hier kann es je nach Herangehensweise unterschiedlich viele Typen geben. Gemeinsam haben alle Modelle, dass sie dabei helfen Ursachen für Konflikte zu verstehen, wodurch diese gelöst werden können.

HundeSozialStrukturen unterscheidet sieben Hundetypen

Wie in der Humanwissenschaft gibt es auch in der Hundewelt verschiedene Persönlichkeitsmodelle, die von verschiedenen Hundetrainern aufgrund ihrer Erfahrungen gebildet wurden. Da die Anzahl der Persönlichkeitstypen nur ein Aspekt innerhalb der Typenlehre darstellt, können auch Modelle mit derselben Anzahl an Persönlichkeitstypen stark voneinander abweichen.

Hier kommt HundeSozialStrukturen (HSS) ins Spiel. Das Persönlichkeitsmodell HundeSozialStrukturen unterscheidet sieben unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Dies wurde im Laufe der Jahre immer wieder überprüft und bestätigt.

Hunde des gleichen Typs zeigen ähnliches Verhalten, aber kein identisches!

Hunde unterscheiden sich untereinander. Manche Hunde sind aufgeschlossener als andere, manch andere haben eine natürliche Führungsautorität, wiederum andere sind scheuer und manche sind emotionaler bzw. energetischer.

Damit ist nicht gemeint, dass Hunde in allen Situationen und zu allen Zeiten dieselben Eigenschaften (wie zum Beispiel Aufgeschlossenheit) zeigen, sondern, dass sie es tendenziell über verschiedene Situationen und Zeiten hinweg sind. Man kann dies als regelhafte Unterschiede bezeichnen.

Eben diese regelhaften Unterschiede lassen sich in den sieben Persönlichkeitstypen feststellen. Wichtig hierbei ist vor allem zu beachten, dass Hunde des gleichen Typus keineswegs gleich sind. Dies liegt daran, dass weitere Faktoren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Hundes nehmen: Umwelt, Erfahrungen, Rasse, etc.

Das Wissen um den Typ ermöglicht es, dem Hund das zu geben was er braucht

Die HundeSozialStrukturen gehen nach zahlreichen und intensiven Beobachtungen davon aus, dass der jeweilige Typ das Verhalten des Hundes erheblich beeinflusst und dadurch die Quelle für wiederkehrende Verhaltensmuster ist.

Die hinzukommenden Faktoren, die die individuelle Persönlichkeit eines jeden Typus formen, äußern sich in bestimmten Verhaltensmustern. Diese Verhaltensmuster variieren bei den unterschiedlichen Typen, aber nicht innerhalb eines Typus, dadurch wird Verhalten vorhersagbar und die Ursachen von Verhalten werden ersichtlich. Das heißt also, dass zwar jeder Hund ebenso wie jeder Mensch ein Individuum ist, doch zeigen sich die Ausprägungen innerhalb eines Typus ähnlich und unterscheiden sich von anderen Typen. So wird, als vereinfachtes Beispiel, ein Hund eines bestimmten Typus bei tierschutzwidriger Haltung ein aufgeschlosseneres Verhaltensmuster zeigen, als ein Hund eines anderen Typus bei einer solchen Haltungsweise.

Deshalb ist die Unterscheidung der sieben Typen besonders hilfreich,um auffällige Verhaltensmuster in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie ermöglicht eine typgerechte Behandlung des Hundes, der sich dadurch zu einem souveränen Wesen entwickeln kann.

Alle Hundetypen können miteinander leben! Die einen von Natur aus, die anderen mit Hilfe menschlicher Vermittlung

Ebenso wie bei Menschen verstehen sich auch unter Hunden bestimmte Typen besser, als andere. Dies liegt daran, dass sie sich in ihren Kompetenzen ergänzen. Ihre Kommunikation funktioniert somit ohne eine ständige Vermittlung durch den Menschen.

Treffen jedoch Hunde aufeinander, deren Kompetenzen aufgrund ihres Typus identisch sind, oder Hunde, deren Kommunikationsstrukturen aufgrund ihres Typus weit voneinander entfernt liegen, benötigen sie die Vermittlung durch ihren Menschen.

HundeSozialStrukturen vertritt somit nicht die Auffassung, dass nur passende Hundetypen miteinander leben sollten!

Das Zusammentreffen passender Typen fördert ihre Persönlichkeitsentwicklung

Durch das Persönlichkeitsmodell lassen sich somit Gruppendynamiken erklären und vorhersehen. Hierdurch können Konflikte vermieden werden. Ebenso können Situationen bevorzugt geschaffen werden, um dem Hund Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Dies ist sowohl bei Hundekontakten als auch bei Mehrhundehaltung sehr hilfreich.

Durch zahlreiche Beobachtungen konnten wir des Weiteren feststellen, dass es zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Hundes sehr sinnvoll sein kann, in künstlich zusammengestellten Gruppen zu laufen, die nach den Kommunikationsstrukturen der sieben Typen aufeinander passend abgestimmt sind. Der Hund kann hier seine dem Typ zugrunde liegenden Verhaltensweisen ausleben ohne sich zurück nehmen zu müssen und entwickelt dadurch seine Persönlichkeit zu einem souveränen Hund stetig weiter.

Auch eher unpassende Hundetypen sollten miteinander kommunizieren dürfen

Es ist keinesfalls zu empfehlen nur solche Kontakte zuzulassen, die ausschließlich auf den passenden Kommunikationsstrukturen der Typen basieren. In diesem Falle würde eine Unflexibilität im Umgang mit unpassenden Typen forciert.

Wenn Sie als Mensch ausschließlich mit Menschen zu tun haben, bei denen sie sich frei entfalten können und sich nie zurück nehmen müssen, wird es ihnen bedeutend schwerer fallen auf Menschen adäquat zu reagieren bei denen sie sich unwohl fühlen bzw. ihr Verhalten zurück nehmen müssen um andere damit nicht zu stören.

HundeSozialStrukturen arbeiten nicht mit Rudelstellungen nach Barbara Ertel zusammen!

Aufgrund der Unterscheidung der sieben Hundetypen wird HSS oftmals eine Nähe zu den „Rudelstellungen“ nachgesagt. Wir vertreten jedoch einen anderen Umgang mit Hunden! Lediglich die Basis, das es sieben Typen gibt, wurde nach vielen Selbstbeobachtungen übernommen und in einen Kontext, basierend auf Hundeverhalten, Lerntheorie und heutiger wissenschaftlicher Ansätze, gesetzt. Wir haben deshalb nichts gemein mit den Sicht- und Umgangsweisen der Rudelstellungen.

Wir treten ein für einen wertschätzenden Umgang mit dem Hund, für eine individuelle Betrachtungsweise des hündischen Wesens sowie des Mensch-Hund-Gespanns und für das Zusammenleben „unpassender Hunde“. Wir helfen somit beim Vermitteln zwischen Hunden, die untereinander Kommunikationsschwierigkeiten haben, und forcieren keine Abgabe von unpassenden Hunden.

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